| Arbeiten mit elektromagnetischer Induktion | |||
Gegen Ende der 70er Jahre setzte ich zum ersten Mal das System der elektro-magnetischen Induktion für meine Klanginstallationen ein. Als akustisches Übertragungsprinzip, basiert es auf der Übertragung von Klängen durch sich begegnende magnetische Felder. Diese entstehen einerseits durch im Raum verspannte elektrische Kabel, in denen Klänge zirkulieren, andererseits durch speziell von mir entwickelte Kopfhörer mit magnetischen Spulen. Dieses System, das ich ständig technisch und künstlerisch weiterentwickelt habe, wurde der Ausgangspunk für zahlreiche Klanginstallationen, die seit 1980 weltweit realisiert worden sind. Grundidee dieser Klangräume ist es, dem Betrachter/Zuhörer eigene individuelle Zeit- und Bewegungsräume zur Verfügung zu stellen. Die musikalischen Sequenzen werden durch die Bewegung des Hörers immer neuen Variationen erfahrbar. Der Besucher wird zu einem "Mixer", der sich sein Stück individuell zusammensetzen und den Zeitrahmen dafür selbst bestimmen kann. Bei den ersten Installationen hatten die Besucher noch kleine „kubische“ Würfeln mit eingebauten Lautsprechern, die man an die Ohren halten musste, wenn man sich den Kabelfeldern näherte. Später wurde die Bewegungsfreiheit und die Tonqualität wesentlich verbessert durch selbst entwickelte kabellose Kopfhörer, mit denen man sich frei im Raum bewegen kann. Jede Bewegung, selbst eine leichte Drehung des Kopfes, bewirkt andere Klangfolgen. Diese Art von heute fast archaisch anmutender Interaktivität, die keine Rechnerprogramme erfordert, ist auch über große räumliche Distanzen realisierbar. Seit den 80er Jahren entstanden zahllose Induktionsarbeiten in Gärten, Schlössern, Kellern, Ruinen, Parkanlagen. Kirchen, alten Fabriken, verlassenen Gebäuden und auch in Museen und Galerien. Jede Arbeit ist zugleich eine visuelle und akustische Erkundung des jeweiligen Ortes. Seit Mitte der 80er Jahre kam bei vielen Arbeiten auch Licht als Gestaltungsmittel dazu, wie z. bsp. bei der Installation „skylines“, documenta 8, Kassel oder der unterirdischen Installation „KlangFlußLichtQuelle„ am Potsdamerplatz, Berlin
Die magnetischen Kopfhörer reagieren mit ihren eingebauten Spulen auch auf elektrische Felder in der Umgebung. In den 80er Jahren versuchte ich noch, das leise Brummen der Stromkabel aus den Kopfhörern herauszufiltern. Die ständige Zunahme und Verbreitung von „ungewollten“ elektrisch erzeugten Klängen wurde dann im Jahr 2003 Auslöser für einen neuen Zyklus von Arbeiten: Electrical walks. Mit speziell empfindlichen Kopfhörern wird dabei die Hörbarmachung ober- und unteriridischer elektrischer Ströme nicht unterdrückt sondern im Gegenteil verstärkt. Die Palette dieser Geräusche, ihre Klangfarben und Lautstärke variieren von Ort zu Ort, von Land zu Land. Eines haben sie gemeinsam: sie sind überall, auch dort, wo man sie nicht vermuten würde. Lichtsysteme, Transformatoren, Diebstahlsicherungen, Überwachungskameras, Handies, Computer, Aufzüge, Strassenbahnleitungen, Antennen, Navigationssysteme, Bankautomaten, Leuchtreklamen, Elektrogeräten etc. bilden Stromfelder, die wie unter einem Tarnmantel versteckt und doch von unglaublicher Präsenz sind. ELECTRICAL WALKS ist eine Einladung zu Stadtspaziergängen (oder auch andernorts) besonderer Art. Mit einem speziellen magnetischem Kopfhörer und einer Umgebungskarte, auf der mögliche Routen und besonders interessante Stromfelder markiert sind, kann der Besucher sich allein oder in einer Gruppe auf den Weg machen. Die Wahrnehmung des Alltäglichen wird sich beim Stromhören verändern, das Gewohnte in einem anderen Kontext erscheinen. Nichts sieht so aus, wie es sich anhört. Nichts hört sich so an, wie es aussieht. |
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